Vorbei und doch nicht zu Ende

Seltsam. Der Homecoming Blues ist ausgeblieben. Seit Montagabend sind wir wieder in Köln, und ich genieße es tatsächlich, zu Hause zu sein. Wieder etwas Alltag zu haben. Normalerweise bekomme ich am Ende einer Reise immer den Blues, da ich am liebsten noch weiter reisen würde. Es ist nicht so, dass ich nicht gern zu Hause bin. Aber ich bin einfach noch lieber unterwegs. Dieses Mal ist es ein bisschen anders. Viereinhalb Wochen vollgestopft mit Eindrücken und tollen Bildern und Begegnungen im Kopf müssen offenbar ein bisschen sacken. Und das geht am besten, wenn man nicht stündlich neue Erlebnisse hinterher schiebt. Wir sind zu schnell gereist, das ist wohl die Haupterkenntnis, die wir aus der Generalprobe ziehen. Nicht, dass ich auch nur eine Stunde oder einen Kilometer davon wieder hergeben würde. Aber ich will sie auch nicht mehr runterschlingen wie Junkfood, ich will sie genießen, wie der edle Tropfen oder die feine Speise, die sie sind. So schnell zu reisen führt dazu, dass sich die Eindrücke und Geschehnisse im Kopf stapeln und keine Ruhe finden, eingehend betrachtet und gewürdigt zu werden. Mal ganz abgesehen davon, dass es auch das Sprit-Budget gnadenlos in die Höhe treibt. 5.891 km haben wir auf dem Kilometerzähler, als wir am Montagabend bei uns vor der Haustür aussteigen. Wahnsinn.

Bevor wir losgefahren sind, hatte ich gedacht, dass wir es vielleicht nicht einmal bis nach Nord-Albanien schaffen, da mir rund 4.000 km Strecke viel zu viel für nur viereinhalb Wochen vorkamen und ich eigentlich nicht vorhatte, den ganzen Urlaub nur im Bus zu verbringen. Nun ist es genau so gekommen. Anstatt ausgiebig zu Wandern, zu Mountainbiken oder einfach nur mal ein paar Tage rumzugammeln, haben wir uns die Länder, die wir besucht haben, mit dem Bus erfahren. Aber auch wenn ich es auf der einen Seite bedaure, dass wir uns so wenig Zeit für solche Aktivitäten genommen haben, merke ich doch jetzt schon, wie reich der Schatz an Erlebnissen und Erfahrungen ist, den wir stattdessen gesammelt haben, und wie sehr ich jetzt schon (oder noch?) davon zehre wie die Maus Frederik von den Farben im Winter. Was mich entspannt auf das schauen lässt, was wir mitgenommen haben und nicht auf das, was wir am Wegesrande liegen lassen mussten, ist das Wissen, das wir uns auf der großen Reise für alles genau die Zeit nehmen können, die wir brauchen. Und nicht die, die uns schlechtes Wetter oder ein Urlaubsende erlauben.

Und so kann ich das Nach-Hause-Kommen tatsächlich genießen – denn irgendwie sind wir ja schon längst und immer noch und auch nach dieser Generalprobe auf der Reise. Jetzt kommt die Zeit, die Erfahrungen der Balkan-Reise auszuwerten, zu schauen, was sich bewährt hat und was wir noch besser lösen können – und weiter zu tüfteln und zu organisieren und zu planen, bis es im April nächstes Jahr dann auf die ganz große Reise geht.

Auf der langen Rückfahrt am Montag über die deutschen Autobahnen haben wir schon zwei Listen erstellt:

  • 10 Dinge, die wir bei der Generalprobe gelernt haben
  • 10 Dinge, die wir beim Reisen echt nützlich fanden

Die teilen wir in den nächsten Wochen gern mit Euch – und auch ein bisschen Statistik zu unseren Fahrdaten, unseren Ausgaben, zu Spritpreisen, unserem Energieverbrauch und unseren Stellplätzen. Nur für den Fall, dass noch jemand mit einem selbstgebastelten Bus auf den Balkan will. Wir können es nur aus vollem Herzen empfehlen!