Aufbruch nach Westen

Das hier wird nur ein kurzes Update, denn wenn ich Euch diese Geschichte im Detail erzählen würde, würde ich sofort wieder einen Wutanfall kriegen und ein Loch in irgendetwas beißen müssen. Also nur eine kurze, sachliche Zusammenfassung zu unserem Versuch letzte Woche, unser Fahrzeug im Hafen von Newark abzuholen: Verspätung des Schiffs, schlechte Kommunikation seitens der Verschiffungsgesellschaft und ein Freitag, der offensichtlich dazu geführt hat, dass der Zollagent nicht mehr sehr motiviert war, unsere Papiere zu bearbeiten, haben dazu geführt, dass wir erst gestern – fast eine Woche nach Ankunft des Schiffs im Hafen – unseren Bond abholen konnten. Dass die Jungs vom Hafenbüro dann noch eine Stunde lang nach unserem Autoschlüssel suchen mussten, hat uns zu diesem Zeitpunkt nur noch ein müdes Lächeln entlockt… Ist in ein paar Tagen vermutlich nur noch ne lustige Anekdote. Aber am Freitag hat es uns acht Telefonate, diverse Emails, viereinhalb Stunden auf einer kleinen Holzbank vor dem Hafenbüro und einen Beinahe-Nervenzusammenbruch gekostet (plus einen sauteuren Mietwagen, da wir erstens mit alten Freunden im vier Fahrstunden entfernten Washington verabredet waren und zweitens keine Minute länger in diesem Hafen-/Industrie-/Betonwüstengebiet von Port Newark bleiben wollten, geschweige denn ein ganzes Wochenende).

Alles egal, alles Vergangenheit, seit gestern Abend sind wir unterwegs Richtung Westen! Vor uns schlappe 3.500 KM Straße, hinter uns bereits der Bundesstaat New Jersey, von dem wir nur sanfte Hügel und grüne Wände aus Laubbäumen rechts und links der Highways gesehen haben. Die erste Nacht standen wir in einem National Forrest am Delaware River, dem Grenzfluss zum Bundesstaat Pennsylvania. Ihn haben wir heute Vormittag überquert, mehr Hügel, mehr grüne Wände aus Bäumen und Laub. Die Appalachen mit ihren Ausläufern bedecken fast das gesamte Staatsgebiet von Pennsylvania und erinnern uns an die Eifel zuhause, nur größer. Wie alles hier. Beim Einkaufen (wir mussten unsere gesamten Vorräte bis runter zum kleinsten Pfefferkorn erneuern, da wir bei der Einfuhr des Fahrzeugs keinerlei Lebensmittel an Bord haben durften. Kontrolliert hat das am Ende niemand, aber das weiß man ja immer erst hinterher) konnten wir vieles nur in riesigen Verpackungen bekommen: Haferflocken und Walnüsse im Kilo-Sack, Hafermilch als halbe Gallone (etwa zwei Liter) und die Zwiebeln sehen auch eher aus wie kleine Honigmelonen. Bei der Gelegenheit wurden wir, nach einem halben Jahr weg von der Straße, mal wieder daran erinnert, wie unfassbar viel länger das Einkaufen dauert, wenn man neu ist in einem Land und weder die Produkte noch die Sortimente einzelner Supermarkt-Ketten kennt. Aber genau darum lieben wir das Reisen so: Alles ausprobieren, neue Sachen entdecken und uns durch die Spezialitäten des Landes futtern. Das werden wir ab sofort ausgiebig tun – das, und fahren. 3.500 KM Roadtripp bis Moab in Utah, dem Eingang sowohl zu den Canyonlands als auch zum Arches Nationalpark. Ohne großen Plan, einfach fahren, die Landschaften an uns vorbeiziehen lassen – und ankommen in diesem Abenteuer.

Ach so: Sollte je jemand von Euch sein Fahrzeug nach New York verschiffen: Ruft mich an. Ich weiß jetzt, wie es läuft und kann Euch vermutlich viel Zeit, Geld und Nerven sparen!

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