Zuhause

Meine Sorge, es könnte sich anfühlen, als wären wir nie weg gewesen, sobald wir nach Hause kommen, war völlig unbegründet. Woran das liegt? Ich denke, daran, dass wir gar kein eigenes Zuhause mehr haben, in das wir zurückkehren könnten und das uns dann mit seiner lieben Vertrautheit so fest umarmen könnte, das all die Gefühle von unterwegs still und leise davon erdrückt werden. Wir haben im Januar 2020 unsere Wohnung aufgelöst und alles verschenkt, verkauft oder weggegeben, was nicht in den Bus passte. Ein paar Kisten mit Dingen, von denen wir uns nicht trennen wollten, stehen im Keller meiner Eltern, ansonsten befindet sich alles, was wir besitzen, im Bauch von Mr. Norris. Und daher fühlt sich „Nach Hause Kommen“ dieses Mal ganz anders an als nach Urlaubsreisen.

Das Gefühl des Auf-Reisen-Seins hat uns in den dreieinhalb Wochen, die wir jetzt schon quer durch Deutschland fahren, weiter begleitet. Aber der Preis, den wir dafür in den letzten zehn Monaten gezahlt haben – weit weg von Familie und Freunden zu sein  – den zahlen wir derzeit nicht. Und das ist ein wunderbares Gefühl. Wir sehen nach und nach all unsere Lieben, und das nicht nur für ein kurzes Wochenende wie früher, wo Besuche von Freitagabend bis Sonntagabend gingen, weil wir Montag wieder am Schreibtisch sitzen mussten.  Ich empfinde es gerade als großes Geschenk, so viel Zeit für die Menschen zu haben, die mir am Herzen liegen. Und mich trotzdem frei und unabhängig zu fühlen, weil alles, was wir für dieses Leben brauchen, im Bus vor der Haustür steckt – egal, ob sich diese Haustür in München, Köln, Burscheid, Wolfsburg, am Niederrhein, in Göttingen oder in Delmenhorst befindet. Die für mich bisher größte Freude dieser Reise: meine Freiheit mit meinen Lieben zu teilen

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